Pressestatement Angela Merkel, 16. Mai. 2012. 16:30 Uhr

Guten Tag, meine Damen und Herren!

Ich habe heute Vormittag mit dem Herrn Bundespräsidenten gesprochen, und ich habe ihm gemäß Art. 64 GG vorgeschlagen, Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden, um so in diesem Amt einen personellen Neuanfang möglich zu machen.

Die Energiewende ist ein zentrales Vorhaben dieser Legislaturperiode. Es sind die Grundlagen dafür gelegt worden, aber wir haben noch ein Stück Arbeit vor uns. Norbert Röttgen hat als Umweltminister an der Schaffung der Grundlagen für diese Energiewende entscheidend mitgewirkt. Für diese Arbeit danke ich ihm. Ich danke ihm genauso für sein großes klimapolitisches Engagement, gerade auch im internationalen Bereich. Es ist offensichtlich, dass die Umsetzung der Energiewende noch große Anstrengungen erfordert. Deshalb hat das Bundesumweltministerium in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle zu spielen.

Als personellen Neuanfang für diese Aufgabe schlage ich den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Peter Altmaier vor. Peter Altmaier kenne ich sehr lange. Ich schätze seine bisherige Arbeit, und ich bin mir ganz sicher, dass er sich mit voller Kraft der neuen Aufgabe zuwenden wird und es eine gute Zusammenarbeit geben wird.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Rückfragen wurden übrigens nicht zugelassen.

Video der Buchvorstellung

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat die Buchvorstellung zu “Gesellschaft im digitalen Wandel” komplett aufgezeichnet.

Das Buch selbst kann einfach online bestellt werden und wird kostenlos seitens der Friedrich-Ebert-Stiftung zu gesendet.

Das Video der Veranstaltung ist hier zur sehen:

Nachtrag zur Buchvorstellung

Ergänzend zur schönen Buchvorstellung gestern Abend – hier kurz noch ein paar Nachträge.

Die gestrige Buchvorstellung und die Diskussion wurden komplett aufgezeichnet. Sie sind in Kürze hier im Blog und bei YouTube zu sehen. Das Buch selbst wird als Printversion kostenlos über die Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegeben (Kontakt, ISBN: 978-3-86498-132-6). Einen kleinen Teil der Auflage verteile ich übrigens exklusiv vorab im Rahmen meiner Session während der re-publica.

Eine überarbeitete und erweiterte digitale Fassung ist in Arbeit. Anregungen und Kritik nehme ich gern mit auf. Insofern: Hier die Aufforderung an Leserinnen und Leser sich bei mir zu melden! Sobald die digitale Fassung zur Verfügung steht, mehr an dieser Stelle.

Der Vortrag von Leonhard Dobusch zur Vision und Realität der digitale Stadt ist ab sofort bei slideshare online:

Buchvorstellung in Berlin: 26. April 2012

Um der Handbuch-Veröffentlichung zur Gesellschaft im digitalen Wandel einen würdigen Rahmen zu geben, findet am 26. April 2012 eine öffentliche Buchvorstellung mit Live-Stream und Mate in Berlin statt.

Einladung zur Buchvorstellung und Diskussion am 26. April 2012 in BerlinYannick Haan und mir stehen dabei Leonhard Dobusch (@leonidobusch) und Basti (Sebastian) Hirsch (@cervus) zur Seite. Moderiert wird die Veranstaltung von Simone von Stosch, bekannt von EinsExtra und aus der Tagesschau.

Aus dem Programm:
19:00 Uhr Begrüßung
Nicole Zeuner, Friedrich-Ebert-Stiftung

19.05 Uhr Vorstellung und Einführung in die Publikation
Jonas Westphal und Yannick Haan, Autoren

19.25 Uhr Zeit für Rückfragen

19.30 Uhr Vision und Realität der digitalen Stadt
Dr. Leonhard Dobusch, Freie Universität Berlin

19.45 Uhr Zeit für Rückfragen

20.00 Uhr Was ist digitale Bildung?
Basti Hirsch, Bildungsaktivist

20.15 Beginn der Diskussion

20.45 Uhr Ausklang bei Mate und Brezeln

21.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Online-Anmelden kann man sich hier. Zudem wird es einen Live-Stream geben. Veranstaltungsseite bei Facebook.

Gesellschaft im digitalen Wandel. Ein Handbuch.

Wie verändert sich unsere Gesellschaft durch die zunehmende digitale Durchdringung? Das ist die Leitfrage hinter dem Handbuch “Gesellschaft im digitalen Wandel”, das Yannick Haan und ich verfasst haben sowie in Kürze erscheint.

Buch-Cover

Im Buch orientieren wir uns anhand von ganz klassischen Politikfeldern: Angefangen bei klassischer Sozial- und Bildungspolitik, über Wirtschaftspolitik und enden bei (post-) moderner Stadtpolitik. Insgesamt acht Politikfelder beleuchten wir in Hinblick darauf, wie sich diese durch die Digitalisierung wandeln. Wir orientieren uns dabei anhand von bekannten Werten und Ordnungen — und zeigen wie diese sich gesellschaftlich verändern.

Zu jedem Politikfeld ich habe einen Einführungstext verfasst, der einen Überblick über Wandel innerhalb des Politikfelds geben soll. Darin versuche ich relevante politische Leitlinien darzustellen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen zu geben. Yannick Haan hat wiederum insgesamt mehr als 100 Personen zusammengestellt, die sich dadurch auszeichnen das jeweilige Politikfeld digital zu gestalten.

Unsere Zielgruppe sind dabei vor allem Entscheidungsträger wie Abgeordnete und Multiplikatoren, die nicht unbedingt “digital natives” seien müssen.

Das Buch wird am Donnerstag, den 26. April 2012 (PDF, Online-Anmeldung), in Berlin öffentlich vorgestellt und danach kostenfrei durch die FES ausgegeben. Eine erweiterte digitale Fassung der Publikation ist bereits in Arbeit. Diese hoffen wir unter einer freien Lizenz zur Verfügung stellen zu können. Mehr dazu an dieser Stelle. Vorab schon einmal einen großen Dank an die Friedrich-Ebert-Stiftung, die das Projekt erst möglich gemacht hat.

Die Sozialdemokratie in der digitalen Gesellschaft

Von Jens Best und Jonas Westphal

Die Digitalisierung als gesellschaftlicher Paradigmenwechsel sorgt für eine tiefgreifende Veränderung. Politik für die digitale Gesellschaft und das Netz binden bereits heute ein enormes Wählerpotential. Die Generation unter 30 bildet bereits heute Parteipräferenzen maßgeblich anhand der zugeschriebenen netzpolitischen Kompetenz aus. Die deutsche Sozialdemokratie muss wieder Vertrauen in gute, eigene Netzpolitik schaffen. Wir müssen aus eigener digitaler Stärke heraus überzeugen und neue Wählerinnen und Wähler an uns binden, um gesellschaftliche Mehrheiten für uns zu gewinnen!

Ob Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Verbraucherschutz- oder Außenpolitik: Jedes Politikfeld unterliegt dem digitalen Wandel. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten müssen diesen digitalen Wandel freiheitlich und solidarisch gestalten! Die SPD muss sich als progressive Kraft begreifen, die den digitalen Wandel zum Wohle aller und nicht zum Wohl einiger weniger gestaltet! Das Netz muss im sozialdemokratischen Sinne das Netz der Chancengleichheit und Teilhabe werden. Eine plurale Gesellschaft setzt ein pluralistisch geprägtes Netz voraus — Freiheit und Sicherheit müssen sorgsam gegeneinander abgewogen werden. Die deutsche Sozialdemokratie muss, aus ihrem freiheitlichen Grundwerteverständnis heraus, immer besonderen Wert auf die liberalen und aufgeklärten Aspekte der Digitalen Gesellschaft legen.

Das Internet an sich stellt gesellschaftlichen Strukturen nicht per se in Frage, es verstärkt zunächst einmal die bestehende Handlungskultur einer Gemeinschaft oder des einzelnen Individuums. Gesellschaftliche Gestaltung wird derzeit — insbesondere im europäischen Zusammenhang — im neo-liberalen und -konservativen Sinne geprägt, dies lässt sich auch auf der digitalen Ebene der Realität feststellen. Diese digitale Realität gilt es sozialdemokratisch zu gestalten: Im Sinne der Menschen und zugunsten des Allgemeinwohls.

Nur befähigte Menschen können frei und solidarisch entscheiden, wie sie ihren Lebensalltag gestalten. Wer die digitale Sprache nicht versteht und spricht, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein unfreiwillig abhängiger Mensch. Die SPD darf dies nicht geschehen lassen. Sie muss für einen sozialdemokratischen Ausgleich der Machtverhältnissen hinzu mehr Gerechtigkeit sorgen. Gerade auch in der Wirtschaft. Wirtschaftliche Strukturen und Organisationen müssen re-demokratisiert werden. Eine re-vitalisierte, gestärkte und mit digitalen Werkzeugen ausgestattete Arbeitnehmermitbestimmung ist ein erster Schritt hinzu mehr gerechterer Arbeit und gerechteren,  innovativeren Wirtschaften!

Die Sozialdemokratie befindet sich auf einem Weg, die solidarische und innovative Gesellschaft fordern und gestalten zu wollen. Dadurch ergibt sich für Netzpolitik, verstanden auch als digitale Gesellschaftspolitik, zweierlei große Aufgabenfelder:

Zum ersten müssen wir die gestaltenden Subjekte  des Internets kritisch betrachten. Insbesondere die Kommerzialisierung des digitalen wie auch analogen Raums gilt es hierbei kritisch zu hinterfragen und sozialdemokratische Alternativen hierzu erarbeiten. Das gesamtgesellschaftliche Spannungsfeld zwischen Staat, Bürger und Wirtschaft muss im analogen und digitalen Raum in ein neues sozialdemokratisch geprägtes Kräfteverhältnis gesetzt werden.

Zum zweiten, und dies ist eine der bis jetzt — auch in der SPD — am wenigsten verstandenen Aspekte, können die Werkzeuge der Kollaboration, die Werkzeuge der Partizipation, die Werkzeuge des offenen Wissens eingesetzt werden um in der Gesamtgesellschaft zu massiven Veränderungen hinzu mehr Gerechtigkeit, mehr Solidarität und mehr Freiheit führen. Das Internet macht dies erstmalig bequem für Gemeinschaft und das Individuum in seinem Alltag nutzbar. Sei es die Revitalisierung des genossenschaftlichen Prinzips durch Crowdsourcing und Co-Working oder die neuen Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe durch Open-Government. All dies ist digital durchdrungen und muss deswegen mit Politik für eine digital erweiterte Gesellschaft ergänzt werden.

In der Nutzung des Internets, eingesetzt für den Dienst an einer gerechten und freien Gesellschaft, steckt die Chance für eine kraftvolle neue Profilierung der Sozialdemokratie als Partei der offenen, solidarischen und innovativen Menschen. Wir wollen eine gerechtere, offenere und sozial gefestigtere Gesellschaft im analogen wie auch digitalen Raum. Dabei müssen gesellschaftliche Prozesse und Normen überdacht, neu entdeckt und gegebenenfalls neu definiert werden.

Der Digitalisierung wohnt eine revolutionärer Funke inne, ihn gilt es für mehr Demokratie und Gerechtigkeit zu entfachen! Die Sozialdemokratie muss die gestalterische Kraft des sozial-digitalen Wandels werden und dafür gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Um die Diskussion an einer zentralen Stelle zu führen, lade ich ein auf spd-netzpolitik.de zu kommentieren.