Beschluss: Digitale Lehrmittelfreiheit jetzt umsetzen!

Der Landesparteitag der Berliner SPD hat einen umfassenden Antrag zu Open-Educational-Resources sowie zur Schrankenregelung im Urheberrecht zu Gunsten für Forschung und Lehre beschlossen. Hier der Parteitagsbeschluss im Wortlaut.

Der freie und ungehinderte Zugang zu Wissen und Informationen muss auch in der digitalen Welt zum Grundrecht werden. Für Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten heißt dies insbesondere: Staatlich finanzierte Wissens- und Kulturgüter müssen für jedermann frei zur Verfügung stehen!

Wir setzen uns für eine digitale Form der Lehrmittelfreiheit ein, die allen Bürgerinnen und Bürgern zu Gute kommt. Wir wollen damit in Kindergarten und Schule anfangen und über die universitäre Bildung hinaus lebenslanges Lernen in Berlin und andernorts möglich machen.

Die Berliner SPD fordert deshalb eine umfassende Evaluation von freien schulischen Lehrmitteln und deren Einsatz im Land Berlin besonders in Hinblick auf edukative und volkswirtschaftliche Innovationspotentiale.

Hierzu wird der Senat beauftragt, unter Einbeziehung aller relevanten Bezugsgruppen (Lehrer, Lehrerverbände, Schüler, Eltern, Fachverlage etc.) ein ein- bis zweijähriges Evaluierungsverfahren durchführen. Für das Land Berlin birgt dies ein gewaltiges Potential für bessere und gerechtere Bildung und ist somit eine zentrale Aufgabe für die nächsten Jahre.

Lehrmittelfreiheit war immer schon mehr als der kostenlose Zugang zu Lehr- und Lernunterlagen. Es war und ist das klare Bekenntnis, dass die möglichst umfassende Bereitstellung von Lehr- und Lernunterlagen eine öffentliche Aufgabe zur Verbesserung der Bildung und damit Chancengleichheit in einer Gesellschaft darstellt. Diese Ziele von Lehrmittelfreiheit gilt es in der digitalen Gesellschaft weiterhin anzustreben und mit OER vielfältig auszubauen.

Die Bandbreite an Mitteln und Wegen, mit denen sich eine Gesellschaft diesen Zielen annähern kann, ist dank neuer digitaler Technologien allerdings in den letzten Jahren deutlich größer geworden. OER trägt dieser Entwicklung Rechnung. Berliner Bildung soll hier neue Maßstäbe setzen.

Durch die digitalen Möglichkeiten in Produktion und Distribution ergeben sich vielfältige Potentiale für eine Neuorientierung in der Lehr- und Lernmittelgestaltung. Der durch die UNESCO im Jahre 2002 eingeführte Begriff Open Educational Ressources (kurz: OER) steht für diese Entwicklungen.

Als wichtige Faktoren sind zu prüfen:

  • die Qualitätssicherung der Lehr- und Lernmittel in offenen, kollaborativen Prozessen
  • die Sicherstellung notwendiger weltanschaulicher Neutralität
  • die Etablierung geeigneter Verfahrensschritte und -methoden, um frei verfügbare Lehr- und Lernmittel erstellen, verwalten, weiterentwickeln und teilen zu können.
  • die Förderung der Kooperation bei der Erstellung, Verwaltung, Weiterentwicklung und Verteilung von OER-Lernmittel auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer, aber auch der Eltern und Schülerinnen und Schüler

Bis zum Ende der laufenden AH-Wahlperiode, gilt es neuen Möglichkeiten der Lern- und Lehrmedienentwicklung in der Bildung für Berlinerinnen und Berliner zu öffnen. Konkret bedeutet dies die Ergänzung durch freie Lehrmittel in den Grundschulen. Berlin ist damit das erste deutsche Bundesland, das die Basis für eine sozial gerechtere Teilhabe im Bildungssektor mit den digitalen Realitäten des 21. Jahrhunderts schafft. Wir wollen bereits bei den jüngsten Lernenden anfangen, um hier die Grundlage für eine neue medienkompetente Erziehung zu schaffen.

Open Educational Ressources (OER), zu deutsch Offenen Lernressourcen (OLR), bedienen sich der Möglichkeiten des digitalen Fortschritts um die freie Zugänglichkeit zu Bildungsressourcen auf ein neues Niveau für alle zu heben. Berlin gehört damit zu den Vorreitern einer neuen digitalen Teilhabe in der Bildung in Europa.

Wir wollen über den Bundesrat mittelfristig für eine Verbesserung der Schrankenregelung des § 52a Urheberrecht einzusetzen, sowie aktuell der Aufhebung des § 137k UrhG und damit der unbefristeten Fortsetzung von § 52a UrhG auf Bundesratsebene zuzustimmen.

Hiermit unterstützt das Land Berlin die Arbeit der SPD-Bundestagsfraktion. Wir setzen uns dafür ein, dass das Land Berlin die Capetown Declaration for Education als erstes Bundesland unterzeichnet. Der SPD-Landesverband schließt sich dieser Initiative ebenfalls als Organisation an.

Foto: CC BY-SA senhormario, http://www.flickr.com/photos/69836715@N00/3362927931/

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