Kommentarkultur: Mehr Moderation, mehr Dialog

Politik lebt von Austausch. Politik lebt von Diskurs. Aus diesem Grund habe ich 2009 unter anderem eine Facebook-Community ins Leben gerufen. Bis vor wenigen Tagen habe ich das auch nie bereut. Ganz im Gegenteil: Die Gruppe hat durch sich gutes, niveauvolles Diskussionsklima ausgezeichnet. Viele gute politische Idee und Initiativen hatten hier ihren Ursprung. Eigentlich viele gute Gründe sich zu freuen.

Doch angesichts von zahllosen persönlichen Beleidigungen und Befindlichkeiten in den letzten Tagen frage ich mich schon, ob ich mir alles antun muss. Ähnlich wie Markus Beckedahl bei netzpolitik.org muss ich leider auch hier zusehends eine Troll-Kultur auf Heise-Online[1]– oder Piraten-Niveau attestieren. Eine Vielzahl von Kommentaren bringt die inhaltliche Diskussion null voran und erzeugen hingegen ein sehr unangenehmes Klima. Das schreckt engagierte Menschen, die vorher immer mitdiskutiert haben, ab. Zu Recht!

Der Tiefpunkt wurde jetzt am Wochenende erreicht. Kaum schaue ich mal nicht sofort die Gruppe meinen einige wenige die Facebook-Community für ihre Zwecke missbrauchen zu müssen. Mehrere hunderte Kommentare am Tag liest wirklich niemand. Wenn davon noch ein Großteil aus persönlichen Auseinandersetzungen besteht erst recht nicht. Viele davon waren weit unterhalb der Gürtellinie. Die betreffenden Personen müssen sich fragen lassen, ob sie Solidarität, als einen Grundwert unserer Partei, wirklich verstanden haben.

Konsequenz: Mehr Moderation, mehr Dialog

CC BY Kirby Urner/flickr

CC BY Kirby Urner/flickr

Viele Nutzerinnen und Nutzer der SPD-Netzpolitik-Community sind aufgrund ihres langjährigen Vertrauens dabei. Viele haben die E-Mail-Benachrichtigungen aktiviert um auf dem Laufenden zu bleiben. Alle diese Leute wollen nicht zugespammt werden.

Deswegen habe ich mich entschlossen diese Gruppe bis auf Weiteres wie folgt zu verändern:

  • Neue Posts und User müssen von Moderatoren freigegeben werden.
  • Es gibt ab sofort eine strikte Null-Toleranz-Grenze: Wer spammt, fliegt raus! Selbiges gilt für Beleidigungen etc. pp.

Für alles weitere findet RFC 1855 (vulgo: Netiquette) sowie die bereits bekannte Gruppen-Richtlinie Anwendung: Off-Topic-Posts werden kommentarlos gelöscht.

Ich weiß, dass dieser Schritt viel openness, für die mich auch persönlich immer stehe, kostet. Andererseits lassen mir persönliche Verleumdungen an der Strafrechtsgrenze keine andere Wahl. Hinzu kommen technische Einschränkungen durch Facebook selbst, die die Moderation einer großen Gruppe zusätzlich erschweren.

Es tut mir Leid für diejenigen, die hier mehrere Jahre engagiert mitdiskutiert haben. Das ist die absolute Mehrheit von über 1.200 Userinnen und Usern. Die Minderheit, die jetzt ihre Troll-Kultur auslebt, sollte sich fragen, ob sie hier richtig aufgehoben ist. Es werden auch wieder andere Zeiten mit gehaltvollen und charmanten Diskussionen kommen.

Randnotiz: Den betreffenden Thread voller Beleidigungen habe ich kurzerhand ausgeblendet, also nicht gelöscht.
[1] Disclaimer: Für Heise Online habe ich mehrere Jahre lang gern gearbeitet.

Beitragsbild: CC BY Amelia Wells/flickr

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Jonas Westphal,

    sehr schade um einige Threads, in denen bis auf wenige Kommentare durchaus konstruktiv und höflich diskutiert wurde. Die Mehrheit der Kommentatoren ist nach meiner Wahrnehmung als Neu-Mitglied dieser Gruppe durchaus in der Lage, trotz unterschiedlicher Positionen sachlich zu argumentieren.
    Aus Moderatorenerfahrung: Ich neige in solchen Fällen eher dazu, einzelne Kommentare – mit Hinweis – zu löschen anstelle durch die Entfernung einer kompletten Debatte auch sinnvolle Diskussionen ins NIrvana zu befördern.
    Beste Grüße
    Heike Rost

    • Der betreffende Thread wurde, wie oben geschildert, nicht gelöscht. Abgesehen ist das annotierte Löschen von einzelnen Kommentaren bei Facebook nicht vorgesehen.

  2. Ich muss sagen, dass die angesprochene Diskussion an mir vorbei gegangen ist. Prinzipiell kann ich diesen Schritt aber nachvollziehen. Der schlechte Stil oder die schlechte Laune Einzelner darf nicht die Diskussionen der Mehrheit beeinträchtigen.

    Vielleicht solltest Du ein paar mehr Personen zu Admins machen, damit die Entscheidungen nicht alle an Dir hängen.

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